Arbeitsgruppe Informationsmanagement

Einführung in die Wissenschafts- und Technikforschung

SoSe 2016


Modulbereich: General Studies

VAK: 03-GS-509.32

Termin: Mi 14:00 - 16:00

Raum: MZH 1100

CP:

Ziele:

Inhalte:

Es gibt kaum einen Bereich des Alltags in global vernetzten Gesellschaften, der NICHT zentral von wissenschaftlichem Wissen geprägt und von Technologien durchwoben ist. Wissenschaft und Technik strukturieren unser Handeln und unsere Alltagsroutinen, Weltbilder und Subjektivitäten. Sie ermöglichen Vernetzung und Vergleich, bilden die Grundlagen politischer Entscheidungen, legitimieren und stabilisieren Macht- und Ungleichheitsverhältnisse und bringen Gesellschaft hervor. Seit den 1970er Jahren hat sich ein interdisziplinärer Forschungszusammenhang entwickelt, in dem Sozial- und KulturwissenschaftlerInnen aller Art empirisch – zumeist ethnographisch – die Praktiken der wissenschaftlichen Wissensproduktion und der Technologieentwicklung und -anwendung untersuchen. Die international übliche Abkürzung STS steht für „(Social Studies of) Science, Technology and Society“. STS erkunden die Verbindungen und Übersetzungen zwischen Alltag und Labor, persönlicher Lebensführung und Klinik, Wissenschaft und Gesellschaft, technologischen Infrastrukturen, Gewalt und Politik. Feministische und postkoloniale Forschungsansätze sind hier genauso eingeflossen wie die Praxistheorie, der Postkonstruktivismus und der New Materialism. Die mit Namen wie Bruno Latour, Michel Callon, Annemarie Mol, John Law, Madeleine Akrich u.a. verbundene Akteur-Netzwerk Theorie (ANT und Post-ANT) ist Teil dieses sich dynamisch entwickelnden Forschungsbereiches. STS erforscht und analysiert, wie Kultur, soziale Prozesse und Politik nicht erst in der Anwendung von wissenschaftlichem Wissen und von Technologien im Alltag eine wichtige Rolle spielen, sondern im Kern der Wissens- und Technologieproduktion selbst angesiedelt sind. Die in STS entwickelten Forschungsprogrammatiken sind in den letzten Jahren in weitere Forschungsbereiche – Ökonomie, Stadtplanung, Recht, Entwicklungszusammenhänge usw. – expandiert und haben auch dort zu Perspektiv-Verschiebungen und neuen Fragestellungen beigetragen.
 
Unser interdisziplinäres Seminar richtet sich primär an Studierende der Kultur- und Sozialwissenschaften, der Geographie, der Informatik und Digitalen Medien. Es führt systematisch (historisch und entlang von Schlüsselkonzepten) in diesen zunehmend relevanten Forschungsbereich der Sozial- und Kulturwissenschaften sowie  der Technikforschung (soziotechnische Systemgestaltung, critical data studies) ein und vermittelt wesentliche Debatten und Fragestellungen. Die Einführung wird von einem interdisziplinären Team vorbereitet und als team teaching durchgeführt. Sie ist von Beginn an auf zwei Semester angelegt, kann aber auch als Einzelseminar studiert werden. Im zweiten Semester (WS 2016/17) werden Forschungsdesigns und eigene Untersuchungsfragen im Mittelpunkt stehen. Im 1. Semester können 3 oder 6 CPs erarbeitet werden (in gestuften Formen der Mitarbeit). Wir verstehen Lehre als eine Form der sozialen Interaktion und bestehen deshalb, auch um produktive Arbeitsgruppen zu ermöglichen, auf Ihrer regelmäßigen Anwesenheit im Seminar. Wenn Sie an diesem Seminar teilnehmen möchten, aber aus schwerwiegenden Gründen nicht regelmäßig anwesend sein können, so sprechen Sie uns bitte bis zum 15. April an; wir werden dann die Studierbarkeit sichern und alternative Möglichkeiten finden.